Q&A Hypnose Leipzig
Q&A: 24 häufige Fragen über Hypnose
29. Oktober 2019
Mythen ueber Hypnose - Hypnosepraxis Leipzig

Warum gibt es Mythen über Hypnose?

von Alexander Fenz am 07.01.2020 veröffentlicht


Auch heute, in unserem aufgeklärten Zeitalter, gibt es immer noch einige Mythen über Hypnose. In diesem Artikel soll es darum gehen, warum es diese Mythen überhaupt gibt und warum diese Mythen bis heute teilweise überlebt haben. Dafür möchte ich zum einen kurz auf einige geschichtliche Persönlichkeiten und zum anderen, auf einige weitere Gegebenheiten eingehen.

Jean-Martin Charcot

Jean-Martin Charcot (1825 bis 1893) war zu seiner Zeit einer der berühmtesten und renommiertesten Neurologen. Im Pariser Krankenhaus Salpetrière forschte und praktizierte er unter anderem an hysterischen Persönlichkeitsstörungen und Lähmungen. Um den Unterschied zwischen „traumatischen“ Lähmungen (damaliger Krankheitsbezeichnung) und Lähmungen, die auf Läsionen des Nervensystems basieren zu unterscheiden, setzte er Hypnose ein. In Hypnose konnte er die traumatischen Lähmungen aufheben, wodurch die Symptome verschwanden. Außerdem suggerierte er in Hypnose bei gesunden Menschen die Lähmungssymptome, wodurch diese ausgelöst und beobachtet werden konnten. Bei Lähmungen durch Läsionen des Nervensystems funktionierte diese Demonstration nicht.

Ähnliche Beobachtungen machte er bei hysterischen Patienten. Fälschlicherweise setzte Charcot hypnotische Phänomene und hysterische Phänomene gleich. Er definierte den hypnotischen Zustand als krankhaften Zustand. Den Fehler, den Charcot hier machte, ist die Verwechslung von Ursache und Wirkung.

Da Charcot sehr anerkannt war, führte seine Theorie zur Verbreitung dieses Irrglaubens über Hypnose. Positiv daran zu vermerken ist, dass dadurch Hypnose für Forschungszwecke gleichsam interessanter wurde. Somit führte Charcots falsche Schlussfolgerung letzten Endes zu einem erhöhten Forschungsinteresse. 1.)

Sigmund Freud

Bevor Sigmund Freud (1859 bis 1947) seine berühmte Psychoanalyse begründete beschäftigte er sich mit Hypnose. Er lernte sie in einer der beiden großen Hypnoseschulen seiner Zeit, der Schule von Nancy, bei Prof. Hyppolite Bernheim (1840 bis 1919). In einigen dokumentierten Fällen hatte Sigmund Freud sehr schnellen Erfolg mit Hypnose, in anderen Fällen hatte er Schwierigkeiten die gewünschte Hypnosetiefe herzustellen, die für eine erfolgreiche Behandlung notwendig ist.

Im Folgenden schreibt Sigmund Freud über genau diese Schwierigkeiten.

„Auf der Klinik Bernheims schien es fast, als gäbe es wirklich eine solche Kunst und als könnte man sie von Bernheim lernen. Sobald ich aber diese Kunst an meinen eigenen Kranken zu üben versuchte, merkte ich, dass wenigstens meine Kräfte in dieser Hinsicht enge Schranken gezogen seien, und dass, wo ein Patient nicht nach 1 – 3 Versuchen somnanbul (Anmerkung: somnanbul beschrieb eine Hypnosetiefe) wurde, ich auch kein Mittel besass, ihn dazu zu machen. Der Prozentsatz der Somnambulen blieb aber in meiner Erfahrung weit hinter dem von Bernheim angegeben zurück.“3.)

Aus diesen und anderen Gründen entschied sich Sigmund Freud andere Verfahren, die das Unbewusste erreichen, anzuwenden. Schlussendlich entwickelte er die Psychoanalyse, ein Verfahren, das mit dem Patienten im Wachzustand arbeitet und somit das Problem der Hypnosetiefe nicht aufweist. Heutzutage besteht das Problem der Hypnosetiefe faktisch kaum, da es sehr effektive Hypnoseeinleitungen gibt.

Durch die hohe Autorität und den Einfluss Freuds in der Psychologie und speziell der Tiefenpsychologie hatte seine Abwendung von der Hypnose weitreichende Folgen. Dies führte dazu, dass die Hypnose als Heilmethode in Verruf geriet und viele seiner Anhänger sich ebenfalls von der Hypnose abwendeten. Dadurch wurde die Verbreitung der Hypnose weit zurückgeworfen. Einige Experten gehen davon aus, dass Hypnose in seiner Anwendung und Akzeptanz dadurch sogar um Jahrzehnte aufgehalten wurde. 2.) 4.)

Die Roman Figur Svengali

Svengali ist eine Romanfigur aus dem Roman Trilby von George du Maurier, der erstmal 1894 erschien. In diesem Roman versetzt Svengali, der als eine Art Hexenmeister dargestellt wird, die Protagonistin Trilby in Hypnose. Durch die magische Hypnose Svengalis vermag es die sonst unmusikalische Trilby so wunderschön zu singen, dass Sie als schönste Sängerin Ihrer Zeit gilt und ganze Konzertsäle füllt. Svengali nutzt durch Hypnose Trilby wie eine willenlose Marionette und diese kann sich nach der Hypnose an nichts erinnern und ist vollkommen ahnungslos. Diese vollkommen realitätsfremde und manipulative Darstellung der Hypnose prägte damals sehr stark die allgemeine Sicht auf die Hypnose. So ist Svengali seitdem zu einem allgemeinen Synonym für eine aus dem Hintergrund manipulierende Person geworden. Noch heute lehnen sich viele Darstellungen von Hypnose aus Film und Fernsehen an diese Sichtweise an. In dem Roman Trilby begründet sich ein großer Teil der unrealistischen Mythen über Hypnose, an die teilweise heute noch viele Menschen glauben.

Zum leidtragen der Hypnose war der Roman Trilby damals im englisch- und deutschsprachigen Raum ein Bestseller, der noch viele Jahre später als Theaterstück und später als Film produziert wurde.

Ein Grund, warum sich dieses falsche Bild über Hypnose über den Roman hinaus in der Gesellschaft gehalten hat, ist mit Sicherheit die Tatsache, dass es zur damaligen Zeit nicht  leicht war sich alternative Meinungen einzuholen. Heutzutage ist es viel einfacher, durch eine Google Recherche, herauszufinden, ob ein Roman auf Tatsachen oder Fiktion beruht.

Showhypnose

Die meisten Menschen, die Hypnose schon einmal gesehen haben, waren in einer Unterhaltungs- oder Bühnenshow. Dort wird natürlich ein ganz anderes Bild von der Hypnose gezeigt, als im Coaching oder in einer Therapie. Dadurch entsteht ein verkehrtes und unvollständiges Bild der Hypnose. Die Zielstellung einer Show ist die Unterhaltung, dass Publikums. Dafür muss die Show möglichst spektakulär und mystisch sein. Die meisten Showhypnotiseure klären also nicht über Hypnose auf, denn das wäre nicht wirklich spektakulär, sondern versuchen möglichst große Effekte zu erzielen. Ein Zauberkünstler, der einen Ball verschwinden lässt erzählt dem Publikum nicht, dass der Ball gerade in seinem Ärmel verschwunden ist, das würde die Illusion zerstören. Genauso erzähl die meisten Bühnenhypnotiseure nicht, dass sie aus dem Publikum ganz spezielle Probanden aussuchen, von denen Sie wissen, dass Sie gut mit machen. Dadurch finden sich die Probanden auf der Bühne, die zum einen sehr schnell, sehr tief in Hypnose gehen und die zum anderen auch bereit sind auf der Bühne zu stehen und den Spaß mit zu machen, der dort passiert. Dabei verschweigt er, dass mit anderen Probanden aus dem Publikum die Show nicht funktionieren würde, weil diese z.B. nicht bereit sind sich hypnotisieren zu lassen. Dadurch bekommen viele den Eindruck, was da vorne auf der Bühne passiert, das würde auch mit mir funktionieren bzw. mit jedem anderen, auch gegen den eigenen Willen. Das stimmt natürlich nicht.

Des Weiteren ist jedem klar, dass er in einer Show ist und was ihn dort erwarten könnte. Wer mit diesem Wissen mit macht und auf die Bühne geht, ist meistens auch bereit sich auf den Spaß einzulassen. Unsere Schutzmechanismen sind auch tief in unserem Unbewussten abgelegt und schützen uns auch in der Hypnose. Diese Schutzmechanismen werden sofort aktiv, wenn etwas gegen unsere Werte oder Willen geschieht.

Kurz um – In einer Hypnoseshow findet zwar Hypnose statt, diese unterscheidet sich allerdings stark von der Hypnose in einer Hypnosepraxis und zeigt auch kein realistisches und komplettes Bild der Hypnose

Sensationsmedien

Viele Medien haben nicht den Anspruch gut recherchierte Fakten und Nachrichten zu präsentieren, sondern das zu präsentieren, was auch gelesen wird. Gerade im Zeitalter des Internets, welches zu immer kürzerer Halbwertszeit und immer höheren Informationsraten führt, verbreiten sich die Informationen, die einen hohen Sensationswert haben. Eine vom MIT über zehn Jahre angelegte Studie  über Twitter hat folgendes ergeben: Falschnachrichten (Fake-News) verbreiten sich 6 Mal schneller als Nachrichten mit einem wahren Inhalt und außerdem verbreiten sie sich auch weiter. Dies hängt weniger mit Twitter, sondern mit dem Nutzer – also dem Menschen zusammen. Falschnachrichten lösen stärkere Emotionen aus und haben außerdem einen höheren Neuheitswert.

Die Nachricht vom 1000sten Klienten der durch Hypnose seine Angst verloren hat ist weniger sensationell als eine Nachricht über „eine Straftat unter Hypnose“. Dabei sind diese Nachrichten häufig nicht gut recherchiert und herausgegeben, bevor der Sachverhalt tatsächlich geklärt ist. Wenn der Tatbestand aufgeklärt ist und sich  als nicht wahr herausgestellt hat, hört man nur noch selten davon. Die Falschnachricht bleibt allerdings häufig im Gedächtnis, ganz nach dem Motto – „Da wird schon was dran gewesen sein, sonst hätte man nicht darüber berichtet“. Tatsächliche Fälle von Straftaten unter Hypnose gibt es allerdings selten und diese haben mehr mit dem Menschen, als mit der Hypnose an sich zu tun.5.)

Menschliche Ängste

Ein weiterer Grund, warum sich Ängste und Mythen über Hypnose nur langsam auflösen, liegt in der Natur des Menschen selbst. Viele Menschen haben Angst vor dem Unbekannten, Angst davor, dass sie die Kontrolle verlieren oder Angst davor, dass etwas auftauchen könnte, womit sie nicht umgehen können.  Dabei sind die Ängste unbegründet. Hypnose ist ein sehr sicherer und kontrollierter Zustand, in dem wir problematische Emotionen zielgerichtet auflösen können. Hypnose ist ähnlich wie ein Tanz, bei dem der Hypnotiseur führt und der Klient sich führen lässt. Sich führen zu lassen hat natürlich nichts damit zu tun die Kontrolle zu verlieren, sondern einfach damit, sich leiten zu lassen.

Dass diese Ängste unbegründet sind, kann ich täglich in meiner Praxis beobachten. Keiner meiner Klienten glaubt nach der Hypnosebehandlung noch an diese Mythen oder hat diese Ängste. Weil er die Erfahrung gemacht hat, dass Hypnose eine sehr sanfte und effektive Behandlungsmethode ist, die nichts mit den Vorurteilen zu tun hat.

Fazit

Wer sich ein wenig mit der Geschichte der Hypnose auseinandersetzt versteht schnell, wie die heutigen Mythen über Hypnose entstanden sind und warum sie noch heute bestehen. Außerdem wird relativ schnell klar, dass diese auf falschen Fakten beruhen. Unabhängig davon, wie viel man sich mit Hypnose beschäftigt, gibt es eine Methode die viel effektiver ist, um sich über Hypnose aufzuklären – Ausprobieren. Wer Hypnose selbst einmal ausprobiert lernen schnell was Hypnose wirklich ist und wie effektiv sie sein kann. Denn die Mythen sind rein spekulativer Natur und lösen sich in der Praxis sehr schnell in Luft auf.

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